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Da lagen sie. Kuschelten gemeinsam auf dem Sofa. Es war ein schöner Abend gewesen „Hmmm. Du riechst gut...“ Er atmete tief , zog ihren Duft in sich ein. Entspannt schloss er die Augen, nicht wissend, dass sie wach lag. „Wieso mag er mich so?“ schoss es ihr durch den Kopf. „Wieso zeigt er es mir so deutlich, obwohl ich ihm kein Zeichen gab, das ihm verrät, ich mag ihn mehr als die anderen?“ Er fasste sie fester, rückte näher. So nah, dass sein Bauch an ihren Rücken gepresst wurde. Sie konnte seinen Atem in ihrem Nacken spüren, und irgendwie musste sie sich eingestehen, dass es ein angenehmes Gefühl war. Dieses Festgehaltenwerden, dieses Geküsstwerden, dieses Gestreicheltwerden, all das waren Dinge, die ihrer Seele so gut taten. Diese Dinge waren wie Pflaster auf ihrem Inneren. Wie Balsam. Langsam streichelte er über ihren Bauch. „Lass das bitte“ – „Wieso? Du bist so schön.“ Er küsst sie hinter dem Ohr, knabberte an diesem. „Es macht mich wahnsinnig!“ Am liebsten würde sie sich umdrehen und es einfach geschehen lassen. „Wie kann so etwas Schönes falsch sein?“ Hin und hergerissen von ihren Gefühlen wandte sie sich ihm zu, küsste ihn wild, lies es sich gefallen, von ihm angefasst zu werden. „Verdammt! Es ist so schön! Bitte, lass es nicht enden...“ waren ihre letzen Gedanken.


 

Warme, goldene Strahlen weckten sie. „War die letzte Nacht nur geträumt?“ dachte sie. Würde sie wieder in ihrem kleinen, zugestellten Zimmer erwachen – allein? Kurz hob sie den Kopf, blickte sich um. Unbekannte Wände, Tapeten, Schränke. Neben ihr: der Mann aus dem Traum. „Sollte es doch Realität gewesen sein?“ Ihr Blick wanderte über seinen schlafenden Körper. „Er ist schön. So niedlich, wenn er schläft. Wie weich seine Haut ist.“ Zärtlich streichelte sie ihn mit dem Handrücken über die Wange. Als er ihre Berührung spürte, lächelte er. Mit liebevollem Blick strich sie weiter über seinen Kopf, dann den Nacken, rückte näher an ihn heran. „Er riecht so gut...“. Ihrer beiden Gesichter lagen jetzt ganz dicht voreinander. Mit ihrer Nase streichelte sie die seine. Langsam erwachte er, blickte in graue, ihn liebevoll ansehende Augen. „Na du Schöne.“ Er strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht und küsste sie. Beide lächelten sich an. „Ja, verdammt! Ich liebe ihn!“ Mit diesem Gedanken kuschelte sie sich an ihn, schlief sie erneut ein.


Das zweite Erwachen war anders: Keine Wärme. Allein lag sie in einem kühlen Bett. Neben ihr auf dem Tisch ein Zettel: „War eine schöne Nacht. Bin kurz weg. Nimm dir, was du brauchst. Man sieht sich. R.“ Sie saß da, konnte kaum fassen, was sie las. „Man sieht sich“ wiederholte sie laut. „Eine schöne Nacht. -  Mehr nicht?“ sprach sie noch lauter. Tränen schossen ihr in die Augen, doch sie wollte nicht, dass diese die Überhand bekamen und blickte an die Decke, schluckte sie herunter. Nach einer langen Weile entschloss sie sich, die Wohnung zu verlassen. Mit tränenroten Augen und glasigem Blick ging sie die Straße entlang. Doch sie konnte kaum etwas sehen, noch weniger denken. Da stand er plötzlich vor ihr. So schön und groß wie den Abend zuvor. Fragend blickte sie ihn an. „Warum tust du das? Warum trampelst du so auf meinen Gefühlen herum? Warum versuchst du nicht, mich kennen zu lernen?“ All diese Fragen hätte er aus ihrem Blick lesen können, doch er sah durch sie hindurch. „Na? Auf dem Heimweg?“ fragte er mit einem dreckigen Grinsen. Es war ihr peinlich, dass er sie so sah. Schnell drehte sie sich zur Seite, nur, um nicht in sein Gesicht sehen zu müssen. „Ja, ich hab noch einiges zu tun.“ – „Dann will ich dich mal nicht aufhalten. Man sieht sich.“ Da war er wieder. Dieser verhasste Satz, den sie bereits von dem Zettel kannte. Kumpelhaft klopfte er ihr auf die Schulter und ging in die Richtung, aus der sie gekommen war. Sie ging ein paar Schritte geradeaus bevor sie sich umdrehte und ihm so lange nachsah bis sie ihn nicht mehr sehen konnte. Er blickte sich kein einziges Mal um. Am liebsten wäre sie hinter ihm hergelaufen, hätte seine Schulter gefasst und ihm in die Augen gesehen. Am liebsten hätte sie ihn gerufen, oder wenigsten das, was in ihrem Inneren schrie: „Ich liebe dich!“




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